FRITZ NÄF
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Ausbildung

Fritz Näf wurde am 24. Oktober 1943 in Weiach (ZH) geboren und besuchte nach der obligatorischen Schulzeit von 1958-63 das Lehrerseminar Schiers (GR). In dieser Zeit war er Mitglied des Oratorien- und Kammerchors Schiers. Zwischen 1964 und 1969 studierte er Sologesang an den Musikhochschulen Zürich und Basel bei Sylvia Gähwiller (1909–1999). 1969 schloss er das Studium mit dem Lehrdiplom (Prädikat "sehr gut") ab. 1964–65 absolvierte er eine Ausbildung zum Lehrer für musikalische Früherziehung und Grundkurse. Zwischen 1969 und 1973 erwarb er an der Staatlichen Hochschule für Musik in Freiburg im Breisgau bei Professorin Brigitte Münz das Konzertdiplom (Prüfung der künstlerischen Reife). Es folgten 1970 und 1971 Meisterkurse bei Ernst Häfliger (1919–2007) in Zürich, 1971/1972 bei Jennie Tourel (1900–1973) in New York und 1979 bei Kurt Equiluz (*1929) in Stuttgart. In den Jahren 1974 bis 1979 bildete er sich bei Kurt Huber (Dozent an der Musikhochschule Zürich) weiter. Von 1977 bis 1980 studierte er in Basel Chorleitung und ab 1979 Orchesterleitung beim Komponisten und Dirigenten Erich Schmid (1907–2000). Unterricht in Chorleitung nahm er auch bei Paul Schaller (1913–1989) in Basel.

Lehrtätigkeit

Nach kurzer Lehrertätigkeit an der Primarschule Münchenstein (1963–67) unterrichtete er als Lehrer für Sologesang am Lehrerseminar in Liestal (1973–76) und am Gymnasium Münchenstein sowie ab demselben Jahr auch als SMPV-Lehrer (Berufsausbildung). Seit 1964 bis 1969 war Näf auch als Lehrer für musikalische Grundkurse, Spielkreise und Instrumentenbau an der Jugendmusikschule Reinach tätig. Zwischen 1976 und 1986 lehrte er Sologesang und Vokalensemble an dem von Paul Sacher (1906–1999) gegründeten Lehr- und Forschungsinstitution "Schola Cantorum Basiliensis" in Basel. Aus dieser Tätigkeit gründete er 1978 das professionelle Vokalensemble "Basler Madrigalisten". Während der Zeit als Direktor von "Musikschule und Konservatorium Winterthur" (Musikhochschule) und Rektor der Hochschule Musik und Theater Zürich (HMT) war er als Lehrer für Sologesang und Vokalensembleleitung tätig und leitete den Chor der Musikhochschule.

Leitungs- und administrative Tätigkeit

Fritz Näf übernahm ab Juni 1969 bis 1978 den Aufbau und die Leitung der Jugend-Musikschule Reinach (BL). Die Gründung und Leitung des Vereins "Kultur in Reinach", der die Förderung des kulturellen Schaffens in Reinach zum Ziel hat, erfolgte zwischen 1972 bis 1976. Anschliessend (1976–86) wurde er Leiter des Ausbildungsgangs "Lehrer für Musikalische Früherziehung und Grundkurse" an der Musik-Akademie der Stadt Basel. Diese Arbeit umfasste die Konzeption, die Planung, den Aufbau und die Leitung dieser Ausbildung. Zwischen 1976 und 1986 leitete er die "Musikalischen Grundkurse" an den Schulen der Stadt Basel und war für deren Planung und Durchführung zuständig. 1981 nahm er Einsitz in die staatliche Jugendkonzertkommission und war beteiligt an der Organisation der Schulhauskonzerte. Zwischen 1977 und 1978 war er Leiter des "Funkkolleg Musik" für die Schweiz. Diese Tätigkeit umfasste die Schulung der Kursleiter und die Teilnahme an Radiosendungen (SWF, DRS). In den Jahren 1986 bis 2001 stand er zuerst als Direktor von "Musikschule und Konservatorium Winterthur" (Musikhochschule) vor und wurde sodann Rektor der neu gegründeten Hochschule Musik und Theater Zürich (HMT). Zwischen 1991 und 2000 präsidierte er die KDSK (Konferenz der Direktorinnen und Direktoren der Schweizerischen Konservatorien und Musikhochschulen). Während dieser Zeit wurde eine Neukonzeption der Musikausbildung in der Schweiz erarbeitet und die Hochschulen für Musik und Theater gegründet. Näf nahm jährlich an diversen internationalen Konferenzen der AEC (Association Européenne des Conservatoires) teil. Zwischen 1988 und 1992 war er Vorstandsmitglied der Othmar-Schoeck-Gesellschaft. 2004 bis 2013 war Näf Präsident der Willy Burkhard-Gesellschaft, die sich für die Förderung von Aufführungen sowie CD-Produktionen der Werke Willy Burkhards einsetzt.

Künstlerische Tätigkeit

Bereits seit 1961 wirkte er als Sänger in der Schweiz und ab 1969 als Konzert- und Opernsänger in ganz Europa. In den frühen 1970er Jahren arbeitete er mehrfach mit dem von Marc Honegger (1926–2003) geleiteten "Institut de Musicologie" in Strassburg zusammen, wo er in Werken von André Campra (Requiem) mitwirkte. Zur gleichen Zeit (1971/72) war Näf Mitglied des vom Oboisten Michel Piguet (1932–2004) im Jahre 1964 gegründeten Ensembles "Ricercare". Dieses Ensemble musizierte konsequent nach den Erkenntnissen der historischen Aufführungspraxis. Neben Michel Piguet (Oboe/Blockflöte) wirkten in diesem Ensemble auch Christopher Schmidt (Fidel), Françoise Stein (Harfe), Heinrich Huber (Posaune), Jordi Savall (Viola da Gamba) sowie Walter Stiftner (Dulzian) mit. Zum Umfeld der "Schola Cantorum Basiliensis" gehörte Hans-Martin Linde (*1930) mit dem Näf – neben der späteren Tätigkeit mit den "Basler Madrigalisten" – auch als Sänger im Rahmen der "Freunde alter Musik in Basel" zusammenarbeitete. 1970/1971, vor der Gründung der "Basler Madrigalisten", wirkte Näf bei dem an die "Internationalen Musikfestwochen Luzern" angegliederten Vokalensemble "Luzerner Vokal-Solisten" mit. Eine intensive Zusammenarbeit verband Näf mit Martin Flämig (1913–1998), der sowohl in Dresden als auch in der Schweiz wirkte (Radiochor Zürich, Engadiner Kantorei) und zwischen 1971 und 1991 Kantor der Dresdner Kreuzkirche war. 1972 und 1974 konzertierte Näf in der DDR und wirkte unter der Leitung von Flämig in Werken von Johann Sebastian Bach (BWV 248 und BWV 232) mit. Als Opernsänger verkörperte Fritz Näf in einer Produktion der "Aargauer Opern Bühne" (1969/1970) die Rolle des Peter Iwanow in "Zar und Zimmermann" (1837) von Albert Lortzing (1801–1851). Zudem wirkte er in der Opera buffa "La contessina" (1770) von Florian Leopold Gassmann (1729-1774), "La buona figliuola maritata" (1761) von Niccolò Piccini (1728–1800) und "Belshazzar" (1745) von Georg Friedrich Händel (1685–1759) mit. Mehrere Jahre war er Mitglied des "Coro della Radio Svizzera Italiana" in Lugano, der von Edwin Löhrer (1906–1991) bis 1981 geleitet wurde. In Basel war Fritz Näf als Sänger auch unter der Leitung von Paul Sacher (1906–1999) in Konzerten des Basler Kammerorchesters tätig. Darüberhinaus arbeitete Näf in den folgenden Jahren mit Klaus Knall (Zürich), Etienne Krähenbühl (Basel), André Charlet (Lausanne), Helmut Rilling (Stuttgart), Ulrich Bremsteller (Berlin), Räto Tschupp (Zürich), Jakob Kobelt (Zürich), August Wenzinger (Basel), Serge Commissione (Göteburg), Paul Colleaux (Nantes), Willi Gohl (Winterthur) und Michel Corboz (Lausanne) zusammen. 1978 gründete er aus der Lehrtätigkeit an der "Schola Cantorum Basiliensis" die "Basler Madrigalisten" als professionelles Vokalsensemble. Dieses entwickelte sich in den über fünfunddreissig Jahren seines Bestehens zu einem etablierten, in der ganzen Welt bekannten Ensemble für die Interpretation der älteren und zeitgenössischen Musik. Zahlreiche Uraufführungen verdeutlichen diesen Schwerpunkt. 1997 erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Tonhalle-Orchester Zürich die Gründung des "Schweizer Kammerchors". Dieser interpretierte hauptsächlich die chorsinfonischen Werke des 18. bis 20. Jahrhunderts. Von 2000 bis 2011 war Näf vollzeitlicher künstlerischer Leiter des "Schweizer Kammerchors" und bis 2013 der "Basler Madrigalisten". Er war Gastdirigent bei verschiedenen Chören und Orchestern im In- und Ausland, etwa beim "Radio della Svizzera Italiana Lugano", "Orchester des Musikkollegium Winterthur", "Concerto Köln" und "L'arpa festante" München, "Tonhalle-Orchester Zürich", "Kammerorchester Kiev" und "Philharmonisches Orchester Tscherniwz". Auf Einladung von Kurt Masur (*1927) war er 2000 bis 2011 Gastdirigent bei dem in den 1940er Jahren gegründeten "Le Choeur de Radio France", wo er chorsinfonische Werke einstudiert und a cappella-Konzerte dirigiert. Zahlreiche Radio- und Fernsehproduktionen sowie CD-Einspielungen dokumentieren das Schaffen von Fritz Näf während der letzten 40 Jahren.

2013 wurde Fritz Näf die Goldene Ehrenmedaille des Kantons Zürich für "seine grossen Verdienste für das professionelle Chorschaffen in der Schweiz" verliehen.